Was ist eigentlich der grösste Megatrend unserer Zeit? Digitalisierung? Globalisierung? Künstliche Intelligenz?
Alles falsch – behauptet Zukunftsforscher Matthias Horx. Sein
Plädoyer: Der wahre Megatrend ist … Dummheit.
Klingt provokant?
Ist es auch. Aber nicht ohne Grund. Dummheit, sagt Horx, ist keine persönliche
Eigenschaft. Sie ist eine Denkhaltung. Ein kollektives Phänomen, das uns als
Gesellschaft lähmt – und das unsere Fähigkeit zur Zukunftsgestaltung massiv beeinträchtigt.
Und jetzt die gute
Nachricht: Es gibt Auswege. Doch die beginnen nicht mit mehr Wissen. Sondern
mit mehr Bewusstheit. Und, ja – auch mit ein bisschen Humor.
Die Menschen, die nicht beim Gewitter mit der Kupferantenne spazieren gehen. Die nicht jedem Trend blind hinterherrennen oder Entscheidungen treffen, als gäbe es kein Morgen. Sondern die, die Haltung zeigen. Die mitdenken, vordenken – und manchmal sogar um die Ecke denken. Die uns daran erinnern, dass Werte, Moral und Menschlichkeit keine nostalgischen Konzepte sind, sondern echte Zukunftskompetenzen.
Und das Beste: Von diesen Menschen können wir nicht nur lernen, wie man erfolgreich und sinnstiftend führt, sondern auch, wie man mit Charakter und Humor durch komplexe Zeiten navigiert. Sie sind der lebende Beweis, dass Zukunftsintelligenz ansteckend sein kann – im besten Sinne.
Also, lehnen wir uns einen Moment zurück, nehmen uns ein Beispiel – und lernen von den Guten, wie es noch besser geht.
Jedoch – wo Zukunftsdenken fehlt, regiert oft die Dummheit – sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Warum uns das alle angeht? Lesen Sie selbst.
Horx beruft sich auf David Brooks, der in seinem Text „Die sechs Prinzipien der Dummheit“ unterscheidet: Nicht Menschen sind dumm, sondern ihr Verhalten. Dummheit heisst, die Frage „Was passiert als Nächstes?“ zu ignorieren. Klingt bekannt? Das ist die Person, die bei Gewitter mit einer Kupferantenne auf dem Kopf spazieren geht – und überzeugt ist, dass das eine richtig clevere Idee ist.
Dummheit zeigt sich nicht in fehlender Intelligenz, sondern in fehlender Zukunftsintelligenz. Und genau hier beginnt das Problem – und zugleich die Lösung.
Unser Gehirn ist ein Zukunftsorgan. Es ist dafür gebaut, Zukunft zu denken, Szenarien zu antizipieren, Handlungen in langfristigen Folgen zu betrachten. Horx nennt das die Fähigkeit zur Regnose: Aus der Vorstellung dessen, was werden kann, leiten wir unser Handeln im Jetzt ab.
Doch was passiert, wenn wir diesen Zukunftssinn verlieren? Wenn wir – im schlimmsten Fall – ihn gar nicht mehr aktivieren? Dann entsteht ein gefährliches Vakuum. Dummheit paart sich mit Aggression, Impulsivität und Kränkung. Wir reagieren nur noch auf den Moment, ohne die langfristigen Folgen zu bedenken. Der Future Mind wird ausgeschaltet.
Das Ergebnis? Populismus, Verschwörungserzählungen, Radikalität. Ein kollektives Rave-Party-Chaos an Vorurteilen, wie Keith Stanovich es nennt.
Brooks‘ Prinzipien machen uns die Mechanismen der Dummheit deutlich. Eine Auswahl (sechs, hier drei), die zum Nachdenken und Schmunzeln einlädt:
1. Dummheit ist oft eine Eigenschaft von Systemen, nicht von Menschen. Organisationen, in denen Macht zentralisiert wird, sind anfälliger für kollektive Dummheit. Bonhoeffer wusste: „Die Macht des einen braucht die Dummheit der anderen.“
2. Das Gegenteil von Dummheit ist nicht Intelligenz, sondern Rationalität. Es geht nicht darum, klüger zu sein. Sondern besonnener, reflektierter, zukunftsfähiger.
3. Dummheit hat keinen Humor. Sie ist bierernst. Sie grölt, aber sie lacht nie über sich selbst. Wer Humor zeigt, unterläuft die Logik der Dummheit. Humor ist das beste Gegengift.
Führungskräfte stehen mehr denn je in der Verantwortung, Zukunftsintelligenz zu fördern. Wer Entwicklung zielgerichtet und bedarfsgerecht gestalten will, braucht mehr als Assessment-Tools und Checklisten. Er braucht die Fähigkeit, Menschen zu helfen, wieder in Zukunft zu denken.
Dafür reicht es nicht, Wissen zu vermitteln. Wir müssen den Zukunftssinn reaktivieren. In der Führung heisst das:
Unsere diagnostischen Verfahren bei Outvision sind genau darauf ausgerichtet: Nicht nur das Potenzial sichtbar machen, sondern die Fähigkeit zur Zukunftsgestaltung wieder stärken. Die Frage „Was passiert als Nächstes?“ muss wieder zur Leitfrage jeder Führungspersönlichkeit werden.
Horx schliesst mit einem Gedanken, der fast schon subversiv ist: Radikale Naivität als Lösung. Die Naivität, mit der Kinder die Welt betrachten: offen, vertrauend, zugewandt. Diese Art von radikaler Offenheit ist immun gegen Manipulation. Dummheit hat ihr nichts entgegenzusetzen.
Die Zukunft gehört denen, die bewusst denken, rational entscheiden und humorvoll bleiben. Die in Potenzialen denken – und handeln.
Oder wie Horx es sagt:
„Die Welt ist besser, als wir es in unserem von der Dummheit deprimierten Mind glauben. Wir können sie besser machen. Jeden Tag, immerzu.“
Am Ende zeigt sich: Die klügsten Köpfe sind oft die, die sich eine Portion kindlicher Neugier und radikaler Offenheit bewahren. Zukunftsintelligenz bedeutet nicht, alles zu wissen – sondern mutig genug zu sein, immer wieder neu zu fragen. Und genau darin sind die wirklich Cleveren unschlagbar.